Feste

Michaelifest

Zum Michaelifest der Freien Waldorfschule Bonn

Herbstzeit

„Herbst, es ist Zeit!

Der Sommer war so groß

Leg nun deinen Schatten auf die Sonnenuhren

und auf den Fluren lass die Winde los...“ (1)

 

Ja, wir kennen sie diese Zeit, mit tosendem Sturm und kaltem Regen, mit leisem, dichtem Nebel und kühler Feuchte, mit tanzenden Blättern und feucht, modrigem Laub unter unseren Füßen.

 

Die Natur hatte uns all ihre Fülle geschenkt, nun beginnt sie sich zurück zu ziehen, ein Teil von ihr stirbt ab, sie atmet ein, und mit diesem Einatmen der Natur nimmt das Licht ab. Oft fühlen wir uns vom Sommer verlassen und all zu oft stürmt es auch in uns und in unserem Leben; Wir empfinden das Absterben der Natur in uns selbst.

 

Wie nun das äußere Licht schwindet, beginnen wir unser inneres Licht zu entfachen und zum Leuchten zu bringen. Das jedoch ist gar nicht so einfach und erfordert Hingabe, Mut und Tatkraft. Diese in uns selber zu finden, fällt uns schwer, immerhin lauern an alle Ecken und Wegen die Drachen der Ablenkung, der vermeintlichen Abkürzungen und der so genannten leichten Wege. Um diesen Weg dennoch unbeirrt gehen zu können, haben wir machtvolle Helfer. In dieser Zeit steht uns unüberwindlich, stark und hell Michael zur Seite, wenn wir uns entscheiden, ihn in unserem Herzen wohnen zu lassen. Dann tragen wir mit ihm unser stetig wachsendes Licht durch die immer dunkler und finster werdende Welt, bis diese wiederum das Licht hervorbringt und wir das Licht der Welt mit Weihnachten wieder in uns selber gebären.

Das Michaeli steht am Beginn dieser Zeit, in der unser inneres Leuchten zu wachsen beginnen soll. Wir kosten noch einmal einen südlichen Tag, das Geschenk voller Früchte und schwelgen in dieser Vollendung. Mit Spielen und Mutproben bereiten wir uns auf den Weg durch die dunkle Zeit des Jahres vor, und dann, ja dann müssen wir lernen zu sagen: Ich will den Herbst!

 

"Herbst? Warum nicht", schreibt der Dichter Rainer Maria Rilke einmal an seine Frau Clara, "denn ich will den Herbst! Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling, der schon gleich ist, schaffender, wenn er kommt mit seinem Willen zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommer zerstört? Dieser große herrliche, der Himmel auf Himmel baut; in sein Land möchte ich gehen und auf seinen Wegen.“ (2)

1) Rainer Maria Rilke,Herbsttag, 21.9.1902, Paris

2) Ders.:Briefe (Clara Rilke, 12. 8. 1904), 95 f.

Zahlreiche Spiele und schön gestalte Aufgaben laden zu so manch kleiner und großer Mutprobe ein. Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 8 dürfen sich couragiert und tapfer den Herausforderungen stellen. Gleich dem Erzengel Michael müssen sie schon am Einlass einen gefährlichen Drachen bezwingen oder sich zumindest an diesem vorbei durch den Eingang wagen.

Bei hoffentlich schönstem Herbstwetter sind auch Besucher gerne gesehen. Es bietet sich eine gute Gelegenheit die Schulgemeinschaft in Aktion kennenzulernen.

 

Selbstverständlich wird, wie immer bei schulischen Festlichkeiten, mit besonders leckeren, hausgemachten Kuchen und Kaffee sowie kalten Getränken für alle ausreichend gesorgt.

 

Mit einem Michaelslied klingt das Fest dann am späten Nachmittag aus.

 

Schulgemeinschaft in Aktion
Michaelifest