Religion

Die Freie Waldorfschule Bonn ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule in freier Trägerschaft, die überkonfessionelle christliche Werte vertritt. Der Religionsunterricht ist bei uns, wie an jeder Schule, ein fester Bestandteil des Stundenplans.

 

Im Unterschied zu anderen Schulen bieten wir neben dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht den der Christengemeinschaft sowie freien christlichen Religionsunterricht an. Ein von jeglicher religiösen Orientierung unabhängiges Fach wie Praktische Philosophie, die seit einiger Zeit an Schulen in öffentlicher Trägerschaft gelehrt wird, gibt es bei uns nur vor den zentralen mittleren Abschlüssen als Ersatz für den freien Religionsunterricht und den der Christengemeinschaft.

 

Der Unterricht in katholischer und evangelischer Religion orientiert sich am Lehrplan für öffentliche Schulen, aus dem die altersgerechten Themen und Stoffe im Blick auf das Unterrichtskonzept der Waldorfschule entnommen werden, und wird z. Z. zusammen unterrichtet.

 

Der Unterricht der Christengemeinschaft orientiert sich an den Hinweisen Rudolf Steiners zur religiösen Erziehung des Kindes. Zur Zeit wird dieser Unterricht nur bis zur 7. Klasse erteilt.

 

Der freie Religionsunterricht ist ein Unterricht, in dem auf Grundlage christlicher Werte die religiösen Kräfte der Kinder gepflegt und entwickelt werden, ohne dass eine konfessionelle Weltanschauung die Schülerinnen und Schüler an eine Religionsgemeinschaft bindet.

 

Die Respektierung der Glaubens- und Gewissensfreiheit ist in allen Unterrichten ein Selbstverständnis. Wir betrachten den Religionsunterricht als einen Teil der allgemeinen Bildung, die den Schülerinnen und Schülern mit auf ihren Lebensweg gegeben werden soll. Sie haben in diesem Fach die Möglichkeit, sich mit den Überlieferungen, Traditionen und Fragen des Glaubens vertraut zu machen und sich im Laufe ihrer Entwicklung damit auseinander zu setzen.

 

Im 1. und 2. Schuljahr findet für alle Schülerinnen und Schüler freier Religionsunterricht statt. Danach liegt es in der freien Entscheidung der Eltern, welche Religionsgruppe ihr Kind besucht. Die Anmeldung erfolgt über eine entsprechende Auswahl, die beim Ausfüllen des Schulvertrags vorzunehmen ist.

 

Im Sinne der Arbeit aller an dieser Schule tätigen Religionslehrer ist ein Wechsel der Kinder von einem in den anderen Unterricht jeweils nur zum Schuljahreswechsel sinnnvoll und möglich. Der Antrag erfolgt schriftlich an die Schulleitung bis zum Schuljahresende. Nach Vollendung des 12. Lebensjahres können die Kinder selbst einen Wechsel herbeiführen, der einer schriftlichen Mitteilung durch die Eltern bedarf. Ab Klasse 11 reicht eine schriftliche Ummeldung der Schülerinnen und Schüler aus.

 

Der Freie Religionsunterricht und seine Handlungen

 

Der Freie Religionsunterricht ist bei der Begründung der ersten Freien Waldorfschule 1919 in Stuttgart für Kinder solcher Eltern eingerichtet worden, die keiner der bisherigen Konfessionen mehr angehörten.

 

Der Freie Religionsunterricht wurde weitergepflegt als der wichtigste Bestandteil dessen, was die Waldorfpädagogik für die religiöse Erziehung der Kinder zu tun vermag. Wie die Waldorfpädagogik den Religionsunterricht aus ihrer Menschenkunde heraus methodisch gestaltet, wie sie die Inhalte dem Alter entsprechend an die Schüler heranträgt, so dass das Religiöse erst im Lebensempfinden, dann im Gemüt und zuletzt im Gedanklichen aufblühen und wachsen kann, dafür tragen die Religionslehrer auf der Grundlage des Waldorflehrplanes die Verantwortung.

 

Die religiöse Stimmung des Unterrichtes

In der Waldorfpädagogik wird der Unterricht fast aller Fächer künstlerisch begleitet und unterstützt. Dies fördert die Entwicklung des eigenständigen Denkens.

Das Erwecken der fühlenden Seele des Kindes braucht dagegen nicht so sehr die künstlerische, sondern die religiöse Stimmung: „Denn allein die religiöse Stimmung dringt zum wirklichen Geist, zum Geist in der Wirklichkeit vor. Daher kann alle Erziehung zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre nur dann ganz wirklich menschlich geleistet werden, wenn sie in der Atmosphäre des Religiösen geleistet wird.“ (R. Steiner in „Gegenwärtiges Geistesleben und Erziehung“, 4. Vortrag Ilkey, 8. August 1923)

 

Die Sonntagshandlungen

Für die Kinder der ersten 8 Schuljahre, die diesen Freien Religionsunterricht besuchen, gibt es regelmäßig die „Sonntagshandlungen“. Dies sind Feiern, die sonntags und zu den Jahresfesten stattfinden können. Es war der Wunsch der damaligen Eltern, dass ihre Kinder, obwohl sie keiner Konfession angehörten, eine Art kultischer Handlung erleben können. Die „Sonntagshandlung“ drückt in komprimiertester Form aus, was die eigentliche Aufgabe eines jeden Waldorflehrers ausmacht.

Ein schlichter Altar im rot ausgestatteten Eurythmiesaal, Kerzen, ein Christusbild, die anwesenden Eltern und Religionslehrer bilden sozusagen den Raum, indem die Kinder in immer wieder gleichem Wortlaut durch ihre Religionslehrer etwas von den zentralen Wahrheiten des Christentums nahegebracht wird. Ein gemeinsames Gebet wird gesprochen, das Evangelium des jeweiligen Sonntags wird verlesen, ein Lied gesungen. Ein Instrumentalstück bildet den Abschluss dieser Feier.

Wenn diese Feiern mit dem schlichten Wort „Handlungen“ bezeichnet werden, so ist damit darauf hingewiesen, dass in diesen 20 Minuten Erwachsene und Kinder in besonderer Weise innerlich tätig sind. Sie haben durchaus den Charakter des hergebrachten christlichen Kultus und leisten den Eltern, die sich in keiner Konfession mehr zu Hause fühlen, eine große Hilfe bei der entscheidenden und verantwortungsvollen Aufgabe einer religiösen Erziehung.

 

Opferfeier

Eine Schülerin der ersten Waldorfschule bat um die zusätzliche Möglichkeit einer Feier für Schüler der Oberstufe. Durch diese Frage hat Rudolf Steiner die „Opferfeier“ entwickelt. Das Wort „Opferfeier“ stammt von einer Stufe der Handlung: Evangelium, Opferung, Wandlung, Kommunion. Sie kann von Schülern der oberen Klassen besucht werden. (Allerdings wird dies von unseren Schülern schon lange Zeit nicht mehr wahrgenommen.) Dennoch finden an unserer Waldorfschule monatlich „Opferfeiern“ statt, die von Eltern, Lehrern und Freunden erlebt werden können.