Klassenlehrerzeit

Durch lebendiges Lernen reifen und wachsen: Jedes Kind entwickelt sich anders. Auf seinem Weg ins Erwachsenensein durchläuft es eigene Entwicklungsstufen. Die Einsicht in die besonderen Erfordernisse jeder Altersstufe ist die Grundlage unserer Pädagogik. Sie bestimmt die Auswahl des Lernstoffes sowie die Arbeitsweise in den ersten acht Schuljahren.

 

In der Gemeinschaft lernen: Die Kinder bleiben als soziale Gemeinschaft im selben Klassenverband, ohne Auslese, ohne Ausgrenzung und ohne Sitzenbleiben. Es gibt individuelle Leistungsanforderungen, die sich im Verlauf der Entwicklung steigern. Die Kinder erfahren in der Klasse, wie die Stärke und der Schutz eines sozialen Systems jedem zugute kommen. Sie erleben Hilfe zu geben, sie aber auch selber zu erfahren. Klassen mit vielen Kindern haben den Vorteil, auch eine Vielzahl an Persönlichkeiten, Temperamenten und Eigenschaften zu vereinen. In dieser vielseitigen sozialen Gemeinschaft lernen die SchülerInnen voneinander. Eine stete Begleitung auf dem Weg durch die ersten acht Schuljahre bildet die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer.

Klasse eins bis acht ist Klassenlehrerzeit: Durch die ersten acht Schuljahre führt eine Klassenlehrerin bzw. ein Klassenlehrer in den jeweiligen Hauptfächern der Klasse. Die Lehrkraft nimmt jedes Kind in seiner Besonderheit wahr und begleitet seine Entwicklung. Über ganz verschiedene Unterrichtsgebiete hinweg kann das Kind so Beziehungen zu einem Erwachsenen knüpfen, sich an ihm orientieren und aufrichten. KlassenlehrerInnen erteilen jeden Morgen in den ersten zwei Stunden jeweils ein Fach über mehrere Wochen lang. In diesem Hauptunterricht wird das jeweilige Unterrichtsgebiet in Einheiten zu möglichst vier Wochen zusammengefasst – den Epochen.

Der Unterricht in Epochen: Eine Epoche ist eine über mehrere Wochen zusammenhängende, konzentrierte Behandlung eines Stoffgebietes. Die einzelnen Lernschritte – Wahrnehmen, Verstehen, Üben und Verarbeiten – werden intensiv vollzogen. Die Arbeitsweise bedeutet auch, dass Fächer oft lange Zeit nicht mehr auftauchen, das Wissen aber permanent einen Entwicklungsprozess im Kind durchläuft und in der Wiederholung auf höherer Stufe wieder verfügbar ist. Der Lehrplan ist darauf ausgerichtet, Themen immer wieder auf höheren Stufen zu behandeln und zu vertiefen. So bauen alle Epochen aufeinander auf und haben einen ähnlichen Grundaufbau aus Rhythmik und Musik, Sprachspielen und Gedichten, Gesprächen und Erzählungen. Der Hauptunterricht wird zu einem Organisch-Ganzen. Zu den Epochenfächern gehören anfangs unter anderem Lesen, Schreiben, Rechnen, Formenzeichnen, Tier- und Pflanzenkunde. Aus ihnen werden später z.B. Deutsch, Mathematik, Kunst, Biologie, Physik, Chemie, Geschichte.

 

Die Fächer, in denen regelmäßig geübt werden muss, werden als Fachunterricht erteilt. Dazu gehören neben den künstlerischen und handwerklichen Fächern bereits ab der ersten Klasse Englisch, Französisch, Musik sowie Sport.

 

Keine Noten, kein Sitzenbleiben: In der Unter- und Mittelstufe, teilweise auch noch in der Oberstufe, wird auf eine Bewertung in Ziffern verzichtet. Das bedeutet aber nicht, dass die Arbeit der SchülerInnen nicht beurteilt wird. Es gibt keine Noten, sondern detaillierte Beurteilungen. Darin geht die Lehrkraft auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Lernfortschritte der SchülerInnen ein, so dass die Erziehenden und auch die SchülerInnen wissen, was noch zu erarbeiten ist. So ist alles auf lange Sicht, auf Verwandlung und Entwicklung angelegt.