Oberstufenzeit

Von der bildhaften zur begrifflichen und wissenschaftlichen Form: Die Oberstufe unserer Waldorfschule umfasst die Klassen 9 bis 13. (Während sich die Abiturienten in der 12. und 13. Klasse auf das Abitur vorbereiten, endet die „reguläre“ Waldorfschulzeit mit dem Abschluss der 12. Klasse.) Der Unterricht unterscheidet sich sowohl methodisch als auch organisatorisch von dem der Unter- und Mittelstufe. An Stelle des Klassenlehrers werden nun auch die Epochen im Hauptunterricht von Fachlehrern erteilt. Fächer, die der regelmäßigen Übung bedürfen wie zum Beispiel die Fremdsprachen, werden weiterhin als regelmäßige Stunden unterrichtet.

 

Ebenso ändern sich die Unterrichtsmethoden: Die bildhaft angelegte Arbeit der unteren Klassen wird in der Oberstufe aufgegriffen und in einer begrifflich-wissenschaftlichen Form weitergeführt. Der Klassenverband bleibt erhalten, so dass die Sozialgemeinschaft der ersten acht Schuljahre bestehen bleibt.

 

Selbständig denken, eigenständig lernen: In der Oberstufe kommt es verstärkt darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, (zunehmend) selbständig(er) mit den an sie gestellten Anforderungen umzugehen. Dies üben sie nicht nur im gedanklichen Arbeiten in den eher abstrakten Fächern, sondern auch im künstlerischen und praktischen Unterricht. Waches Beobachten und Wahrnehmen, auch im Sozialen, werden ebenso geübt wie genaues Denken und Analysieren. (Im Unterricht Wahrgenommenes, Erlebtes und Durchdachtes sollen zu eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen führen und helfen, zunehmend eigene Begriffe und Urteile zu bilden.) Aus der Beobachtung und dem eigenen Erleben erwachsen Begriffe und Urteile. Im Fach Deutsch wird neben der Einführung in die Textanalyse an den Gesetzmäßigkeiten der Sprache gearbeitet. Ebenso werden auch in der Mathematik und den Naturwissenschaften allgemeine Gesetzmäßigkeiten an das eigene Erleben und Beobachtungen angeschlossen.

 

Die Naturwissenschaften – Phänomene und Zusammenhänge verstehen: In den Naturwissenschaften wird nach der phänomenologischen Methode vorgegangen. Experimente und deren genaue Wahrnehmung stehen im Mittelpunkt. Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse werden zunächst aus der Beobachtung der Phänomene und weniger aus theoretischen Modellvorstellungen hergeleitet. Der behandelte Stoff hat stets Bezug zur Entwicklungsphase und den Alltagserfahrungen der SchülerInnen. Auf diese Weise nähert man sich in den oberen Klassen auch den gängigen Modellvorstellungen, wie z. B. Atomismus. Das eigentliche naturwissenschaftliche Verständnis sollte umfassend und dem tatsächlichen menschlichen Erleben entsprechend sein.

 

Auf dem Weg in die Berufswelt: Die jungen Menschen erwartet eine komplexe, teilweise schwer durchschaubare Welt mit verschiedensten, auch unvorhersehbaren Anforderungen. Wichtig ist daher für die SchülerInnen, am Ende ihrer Schulzeit vielfältige und allgemeine Fähigkeiten zu besitzen, den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und mutig und begeisterungsfähig Wege zu suchen, die der eigenen Individualität entsprechen.