Besondere Fächer

Neben eigenen Unterrichtsinhalten zeichnet sich die Waldorfschule auch durch besondere Fächer aus, die der Persönlichkeitsentwicklung dienen.

 

Handarbeit

Mit den Fingerspitzen denken lernen: Das ist eine Fähigkeit, die unsere Schülerinnen und Schüler während ihrer Schulzeit immer weiterentwickeln.

Die Arbeit am Objekt ist dabei immer auch eine Arbeit am Selbst, bei der Ausdauer und Konzentration, Genauigkeit und Phantasie wachsen. Die Auseinandersetzung mit dem Material weckt die künstlerischen Kräfte. Das gleichmäßige rhythmische Arbeiten hilft die Willenskräfte zu entfalten und unterstützt abstraktes Denken. In unserer Schule erhalten die Kinder von der ersten bis zur achten Klasse Handarbeitsunterricht.

 

Werken - Wozu?

Warum überhaupt gibt es immer noch handwerklich-künstlerische Unterrichte an unseren Schulen? Welche Gründe rechtfertigen es, Werkstätten und Ateliers zu bauen und einzurichten, Werkzeuge und Materialien zu bezahlen und natürlich die entsprechenden Lehrer zu finanzieren? Ist dies alles noch zeitgemäß?

 

Antworten auf diese berechtigten Fragen können wir finden, wenn wir jeweils ganz genau auf die Herstellungsprozesse der verschiedenen im Unterricht gefertigten Werkstücke mit wirklich allen ihren Arbeitsschritten betrachten und uns dabei folgende Frage stellen:

„Welche Fähigkeiten werden beim Arbeiten bzw. Anfertigen vom Schüler gefordert?“

Dieser Frage bin ich oft mit Eltern unserer Schule und auch mit Werklehrerkollegen zusammen nachgegangen; dabei sind wir immer wieder unter anderem auf folgende Fähigkeiten gestoßen:

 

  • Geduld
  • Sorgfalt
  • Verantwortungsbewußsein / Umsicht
  • Genauigkeit
  • räumliches Vorstellungsvermögen
  • Koordinationsvermögen zwischen Auge und Hand, zwischen rechter und linker Hand
  • Wachheit
  • Konzentrationvermögen
  • Formgefühl
  • Mut
  • Hingabe
  • Qualitätsempfinden
  • Gefühl für Werkzeug und Material
  • Grob- und Feinmotorik
  • Kreativität
  • Gefühl für eigenen Arbeitsrhythmus
  • Selbstvertrauen
  • Zielstrebigkeit
  • Willenskraft

 

Bringt der Schüler von den oben gefunden Fähigkeiten viele in ausreichendem Maße mit in den Unterricht, so wird er sicherlich gut vorankommen. Gleichzeitig entwickelt er diese Fähigkeiten durch sein eigenes Tun aber auch weiter und er bildet ebenfalls ganz neue aus.

 

So werden Fähigkeiten im Schaffensprozess also nicht nur gefordert, sondern auch gefördert. Und so ist das handwerklich-künstlerische Arbeiten in letzter Konsequenz vor allem ein Trainingsprogramm für Fähigkeiten, bei dem der Schüler an seiner inneren Entwicklung, am Erweitern seiner inneren Möglichkeiten arbeitet.

 

Und wie nebenbei, für den Schüler aber immens wichtig, entsteht dann auch noch ein gelungenes und wohlgestaltetes Werkstück, das das Zutrauen in sich selber weiter wachsen lässt.

 

In allen handwerklich-künstlerischen Aufgaben der verschiedenen Klassenstufen werden wir ähnliche Fähigkeiten beobachten können, die herausgefordert und weiterentwickelt werden; mal fallen einige weg, dafür kommen andere dazu, je nach Fach und Alterstufe. Aber immer geht es um innere Entwicklung, die über das Medium handwerklicher und künstlerischer Arbeit ermöglicht wird.

 

Eurythmie

Denken, Fühlen und Wollen werden in der Eurythmie gleichermaßen angesprochen. Und sie werden auf eine besondere Art miteinander in Beziehung gesetzt.

Oftmals verspürt der Mensch das Bedürfnis, seinen Gefühlen durch Bewegung, durch eine Geste der Arme und durch Bewegungen im Raum Ausdruck zu verleihen. Die Eurythmie macht diesen Prozess sichtbar. Indem die Kinder lernen, sich in der Gruppe zu Musik und Sprache zu bewegen, wird ihr ganzer Körper zum Instrument und beginnt zu „klingen“. Der Eurythmieunterricht greift den Inhalt der anderen Fächer auf und vertieft und erweitert diesen in der Bewegung.

In den ersten Klassen leben die Kinder in den bewegten Bildern der Märchen und wachsen so spielerisch in die Welt der Lautgebärden hinein. Die Aufstellung im Kreis vermittelt ihnen Geborgenheit. In der Mittelstufe lernen die Jugendlichen anhand des Laufens geometrischer Strukturen das räumliche Vorstellungsvermögen zu entwickeln; verschiedenste Rhythmen werden über die Füße hörbar und Melodien mit Hilfe der Arme sichtbar gemacht. Das Zusammenkommen in der Gruppe spielt dabei eine entscheidende Rolle. Nicht nur die eigene Körperbeherrschung und -geschicklichkeit, sondern vor allem auch die soziale Kompetenz werden geschult. In der Oberstufenzeit werden immer kompliziertere Choreographien von den SchülerInnen erarbeitet, verstanden und schließlich dargestellt. Der Eurythmieunterricht endet mit der künstlerischen Abschlussaufführung in der 12. Klasse, auf der sowohl Gruppenstücke als auch Soli gezeigt werden.

 

Gartenbau

„Es wird sich nicht darum handeln, den Kindern eine vorberufliche Ausbildung zu vermitteln, vielmehr soll versucht werden, im Zusammenhang mit dem Gesamtunterricht die Kinder in die richtige Seelenstimmung zu versetzen, Naturzusammenhänge in unserer landwirtschaftlichen Arbeit so richtig zu beurteilen. Das wird notwendig sein, um den Katastrophen am Boden zu begegnen.“

Rudolf Steiner

 

Gartenbau ist ein Stück Lebenspraxis, in dem man Zusammenhänge erkennt und sie sinnvoll um sich herum erfährt. Durch das bewusste Erleben der natürlichen Rhythmen und Zusammenhänge in der Natur werden alle Sinne geschärft und geschult. Die Kinder lernen sich selbst besser verstehen. Sie erleben Schatten und Licht, Wärme und Kälte im Physischen, im Seelischen sowie im Geistigen. Und sie erfahren, was natürliches Leben bedeutet.

 

Vom 6. bis zum 8. Schuljahr wird das Fach Gartenbau ganzjährig mit einer Doppelstunde pro Woche unterrichtet. Hierbei werden alle praktischen Arbeiten im schuleigenen Garten von den Kindern erlernt und ausgeübt. Die Kultivierung von Gemüse, Blumen, Gewürzkräutern, Getreide, Beerenobst sowie Obstbäumen einschließlich einer großen Wiesenfläche erlebt das Kind durch alle Jahreszeiten mitarbeitend.

 

Im 9. und 10. Schuljahr findet auf einer höheren Stufe je eine mehrwöchige Gartenbauepoche statt. Im Mittelpunkt stehen Pflanzenvermehrungsmethoden, Gehölzschnitt und die Veredelung von Gehölzen. In dieser Alterstufe ergänzt sich praktisches Arbeiten mit dem gedanklichen Überblick der Zusammenhänge.

 

Möglichkeiten an der Schule:

  • Ca. 3.200 m2 Schulgarten
  • Eigenes Gartenschulhaus
  • Eigener Kompostierkreislauf

 

Schulhofgestaltung

Eine relativ neues Schulfach, als Mischung aus Gartenbau und Werken. In welcher Umgebung leben wir? Wie können wir sie für unsere Mitschüler angenehmen und ökologisch sinnvoll gestalten? Wie können wir den Schulhof für die jüngeren Klassen interessanter machen? Und wo wird es höchste Zeit, etwas zu reparieren?

 

Bisherige Ergebnisse der 6. Klasse: Rankenpflanzen an den Säulen im Schulhof, Ausbesserung der Schaukästen, Pflege der Gartenbeete auf dem Gelände, aber auch eine Zahlenschlange bis 100.